Die alte Dame von Cremines

Alte Bäume sind etwas besonderes. Sie leben mit den Menschen in einer symbiotischen Beziehung. Schon immer boten die Bäume uns Schutz vor Kälte, Hitze und Naturgefahren, sei es mit Brennholz oder Schatten oder auch als Lawinen und Steinschlagschutz. Sie versorgen uns mit Nahrung, geben uns Holz für für Werkzeuge, Spielzeuge, Baumaterial.

Unsere Vorfahren wussten um das Gleichgewicht des Lebens: "Man gibt und nimmt". Die Menschen brauchten zum Überleben, aus Bäumen hergestellte Produkte. Durch das Bevölkerungswachstum und die Intensivierung der Landwirtschaft veränderte sich langsam das Aussehen der Erde. Es gibt sie jedoch immer noch, die Urwälder. Nicht nur wie allgemein bekannt in den Tropen, sondern auch in Mitteleuropa. Geben wir acht auf sie und bewahren wir sie als Erbe für zukünftige Generationen. Und weiter gibt es auch viele bekannte und auch unbekannte alte Bäume die teilweise unter Schutz stehen. In diesem Beitrag befasse ich mich mit der Eibe und im Besonderen mit der Eibe von Cremines die mit ihrem Alter von mindestens 1500 Jahren der älteste Baum der Schweiz ist. 


Eibe Cremines
Die alte Eibe von Cremines

Die Eibe (Taxus)

Die Eiben kommen Weltweit nur auf der Nordhalbkugel in sieben Unterarten, bis Mittelamerika und Sumatra vor. Die Europäische Eibe war zwischen den Eiszeiten ein sehr oft vorkommender Baum in Mitteleuropa. Sie wurde jedoch vor ca 4500 Jahren von der einwandernden Buche stark zurückgedrängt. Die Eibe ist sehr stark giftig. Und das für die Mensch und Tier. Ausser dem roten Fruchtmantel der Beeren sind alle Teile der Eibe giftig. Das Gift ist Taxol das auch für Medikamente verwendet wird. Bereits 2 Gramm dieses Giftes ist für den Menschen tödlich. (ca 50-100 Gramm Nadelblattmasse).

Eiben wachsen sehr langsam. Nicht einmal halb so schnell wie andere Europäische Baumarten. Noch langsamer als die Eiben in Parks und auf Friedhöfen wachsen die Eiben in der Wildnis. Und das vor allem in lichtarmen Wäldern, Schluchten und Felsgebieten. Da brauchen sie für eine Höhe von 30 cm durchschnittlich 10 Jahre. Das erklärt auch, wieso sie sich natürlicherweise, wegen dem Wildverbiss, kaum mehr natürlich vermehren können. Normalerweise sterben Bäume wenn sie ausgewachsen sind. Die Eiben haben als ein Rezept dagegen ein langsames Wachstum. Das Alter der Eiben kann jedoch nicht exakt bestimmt werden, da fast alle Stämme alter Eiben hohl sind. Das ist jedoch kein Zeichen von Krankheit oder Zerfall. Ein Rohr ist viel stabiler (gegen Wind) als ein massives Rundstück. Das weis jeder Ingenieur und auch die Bäume. Leider zerstört das aber die Jahresringe die helfen das Alter festzustellen. Die Eibe hat noch weitere besondere Eigenschaften. Der Stamm wächst nicht rund, sondern entwickelt sich wie bei der Hainbuche ausbeulend. Das errinnert an nebeneinander liegende Falten eines Vorhanges. Sie werden mit der Zeit nicht grösser, sondern vermehren sich. Weiter hat die Eibe eine glatte Rinde die machmal wie Schuppen abfällt. Wenn diese Rinde durch Wildtiere oder anderes beschädigt wird, ist diese Stammform eine gute Taktik der Eibe um den Saft in die Baumkrone zu leiten. Wenn die Eibe sehr alt wird, beginnen sich die inneren Saftstränge durch Stammfäule aufzulösen und der Baum wird hohl. Die Eibe sieht jetzt aus, als währen es mehrere Jungbäume die im Kreis gewachsen sind. So wird vielfach das alter von Eiben sehr unterschätzt. Äste mit Bodenkontakt habe die Eigenschaft zu Wurzeln, und sich so vegetativ fortzupflanzen. Auch kann sich eine Innenwurzel die Jahrhundertelang im holen Stamm wuchs zu einem neuen Stamm bilden.



Ein Besuch der alten Dame

Ein Besuch der Eibe von Cremines ist nur zu Fuss möglich. Sie liegt hoch über dem Tal zwischen Cremines und Gänsbrunnen. Der Start der Wanderung ist beim Zoo von Cremines. Nach einem kurzen Stück entlang des Zoos und über Weiden erreicht man schnell den Wald. Es gibt zwei Wege die zu der Eibe führen. Den einfachen über den Forstweg, oder es gibt die Möglichkeit durch eine unbekannte wilde Schlucht zum Baum zu gelangen. Ich gehe jeweils den abenteuerlichen Weg durch die Schlucht um die Höhenmeter zu überwinden. Teilweise ist der Weg nur ein Wildwechsel. Er führt durch eine unberührte Landschaft. Man sieht hier viele alte Bäume und auch die ersten Eiben lassen sich hier blicken. Weiter kommt man an diverse Höhlen die Tieren Unterschlupf bieten vorbei und auch tiefe Felsspalten gibt es zu bestaunen. Hat man die Schlucht hinter sich gelassen. Ist es nicht mehr weit zum Höhepunkt des Tages. Ja richtig Höhepunkt. Die Eibe liegt am höchsten Punkt der Wanderung auf ca 1050 Meter über Meer. Nur ein paar Meter unterhalb des Zieles hat es eine kleine Wiese. Das ist der ideale Ort um sich auf den Besuch dieses Baumes mit einer Rast einzustimmen und ein paar Gedanken und Überlegungen zu machen.

Eibe Cremines
Unterwegs in der Schlucht trifft man bereits die ersten alten Eiben an

Man stelle sich vor, dass dieser Baum 1500 Jahre alt ist. Was geschah um diese Zeit? Das römische Reich war gerade zerfallen. Die Helvetier wurden durch die Einwanderung der Allamannen verdrängt. Es war das Ende der Spätantike und der Beginn des Frühmittelalters mit ihren  Völkerwanderungen. Es dauerte noch 700 Jahre bis zur Gründung der Stadt Bern und 800 Jahre bis zur Gründung der Eidgenossenschaft. Und damals stand diese Eibe bereits an dieser Stelle. Was könnte Sie uns doch nicht alles erzählen.

Und wieso weiss man das Alter dieses Baumes? Das geschieht durch Dendrochronologie. Man macht eine Kernbohrung im Stamm und zählt die Jahresringe. Die Eibe von Cremines ist jedoch wie fast alle alten Eiben hohl und die Jahresringe seiner Kindheit fehlen. Die vorhandenen Jahresringe ergaben jedoch ein erstaunliches Bild. Die Eibe hat im Maximum pro 1mm 8 Jahrringe und im Minimum 2 Jahrringe. das ergibt bei einem Stammumfang von 4.25 Meter ein unglaubliches Alter von 3380 Jahren. Und wenn man die fehlenden Jahrringe von Wachstums armen Jahren auch noch dazuzählen würde....... So wurde das Alter der Eibe vorsichtig auf mindestens 1500 Jahre geschätzt. Für mich ist es jedesmal ein besonderer Moment, wenn ich vor dem Baum stehe und ihn berühre und vorher solche Gedanken gemacht habe. Zugegeben eine Schönheit ist sie nicht. Doch das verlangt ja niemand bei einem solchen Alter. Der Rückweg geht viel Einfacher auf dem breiten Forstweg. Da lohnt es sich auf jeden Fall noch ein Besuch bei einem alten wilden Birnbaum, von dem man eine schöne Sicht hinunter ins Tal und bis auf Moutier hat. Und vieleicht hat man Glückund sieht wie ich bei meinem letzten Besuch, einen Adler der seine Kreise flog. 

Weitere Eiben

Auf dem Bözingenberg dem Hausberg von Biel stehen sehr viele Eiben. Viele junge und auch alte.  Ein Exemplar ist zwischen 500 - 1000 Jahre alt.  Ganz in der Nähe dieser alten Eibe steht eine weitere recht grosse direkt am Waldrand.  Auch weiter unten in der Taubenlochschlucht findet man viele zum Teil auch sehr alte und schöne Eiben. 


Die berühmte Gerstler Eibe steht beim Hof Gerstler oberhalb von Heimiswil im Emmental. Lang galt sie als der älteste Baum der Schweiz. Denn sie ist mit einem Stammumfang von über 6,80 Meter die grösste Eibe der Schweiz. Nachforschungen ergaben jedoch, dass sie "erst" ca 450 Jahre alt ist. Sie steht wohl auf einen sehr guten fruchtbaren Boden da sie so schnell wächst. Speziell ist bei ihr, Dass sie auch Äste hat die bis zum Boden hinunter kommen, jetzt gewurzelt haben und angewachsen sind so das sie auch durch diese Äste ernährt werden. In vielen Jahren wird es daraus, wenn man es wachsen lässt neue eigenständige Bäume geben. 

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Kommentare: 2
  • #1

    Herbert im Parkhotel (Montag, 04 September 2017 17:17)

    Wow, das sieht echt toll aus. Vielleicht werden wir in Zukunft mal Wanderferien machen und solche schönen Naturereignisse anschauen, anstatt fein im Parkhotel zu sitzen und jeden Abend im Gourmet Restaurant zu futtern. Dieser Beitrag mit den ganzen Fotos macht einem die Sache echt schmackhaft! Danke und liebe Grüsse!
    Herbert

  • #2

    Willy (Dienstag, 05 September 2017 19:44)

    Hallo Herbert
    Vielen Dank für deinen Kommentar. Es freut mich, dass dir dieser Beitrag gefällt. Es gibt noch viele unbekannte Schönheiten die es zu Entdecken gibt. Wenn du mal Lust hast, dann melde dich einfach bei mir. Übrigens, am 07.Oktober mache ich einen Besuch bei der Eibe.
    Liebe Gruess Willy

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